Geschlossener, großräumiger Güterwagen 12 244 Gl - Dresden

Kurz nach der Jahrhundertwende begannen die deutschen Länderbahnen, gemeinsame Güterwagentypen zu konstruieren, um den Güterwagenpark zu vereinheitlichen. Diese Wagenbauarten werden deshalb Verbandsbauarten genannt. So wurde u.a. auch ein geschlossener großräumiger Güterwagen (Verbandsbauart A9) als Weiterentwicklung des sächsischen Hohlglaswagens konstruiert und von den einzelnen Länderbahnen ab 1914 bis Mitte der 20er-Jahre gebaut, insgesamt ca. 4.000 St. Ein Teil der Wagen besaß untenliegende Bremserhäuser, Güterzüge wurden noch bis Mitte der 20er-Jahre teilweise  manuell von diversen Bremsern in den Bremserhäusern gebremst.
Mit der Gründung der Deutschen Reichsbahn wurden die Wagen dem Gattungsbezirk Dresden zugeordnet, bekamen eine neue Betriebsnummer, bei vielen Wagen wurde nach und nach eine Druckluftbremse oder eine Druckluftleitung eingebaut und die Stangenpuffer wurden durch Hülsenpuffer ersetzt. Ab den 30er-Jahren erhielten die Wagen zusätzlich Diagonalstreben im Wagenkasten, außerdem wurden die Stirnwandsäulen geändert, beides geschah, um die Wagen gegen Stöße resistenter zu machen. Vergleichbare Wagen wurden noch bis Ende der 30er-Jahre gebaut, jedoch in verbesserter Ausführung.
In den Nachkriegsjahren wurden einige Wagen mit Blechdächern ausgerüstet.
Bei der DB bekamen die Wagen abermals eine neue Betriebsnummer und wurden als Gl 11 eingereiht, bei manchen Wagen wurden die Bremserhäuser entfernt, außerdem erhielten einige Wagen neue Lüftungs- und Ladeluken.
Nach Einführung der computergerechten Wagennummern und Gattungen wurden die Wagen bei der DB ab Mitte der 60er-Jahre als Gbkl236 bezeichnet und erhielten wieder einmal eine neue Betriebsnummer, 1973 wurden die letzten Wagen ausgemustert bzw. als Bahndienstwagen weitergenutzt. Ab 1960 wurden die Teile zahlreicher ausgemusterter Wagen zum Bau von Glmms 61 bzw. Gltmms 62 verwendet.

Unser Wagen wurde 1924 von der Hannoverschen Waggonfabrik gebaut, bei der Reichsbahn hatte er die Betriebsnummer 12 244 Dresden. Unser Wagen lief jedoch höchstens bis in die 40er-Jahre bei der Reichsbahn, so besitzt er noch Stangenpuffer und hat noch keine Diagonalstreben gegen Rangierstöße erhalten. Der Wagen konnte als Mannschaftswagen für Militärtransporte eingesetzt werden, so waren im Inneren Halterungen für den Einbau von Bretterbänken eingebaut.
Zuletzt wurde der Wagen von Firma Severin, Bünde, als Lagerwagen genutzt, wir erhielten ihn 1991. Der Wagen war im Originalzustand, jedoch waren viele Teile marode, außerdem war die Druckluftbremse ausgebaut.
Von 1997-1999 wurde er im Zustand der 30er-Jahre aufgearbeitet.

Wir suchen noch Fotos des Wagens während seines Einsatzes bei Firma Severin, speziell aus der Zeit, bevor der Wagen seine blaue Lackierung erhielt.

Technische Daten:

Ladegewicht: zunächst 15, später 17,5 t
Eigengewicht: 12,8 t
Ladefläche:  28,8 m²
Lüp:  12,1 m
Achsstand: 7,0 m
Bremse: Kkg (Kunze-Knorr-Güterzugbremse)
V max:  65 km/h
Baujahr: 1924

Im Verein seit: 1991
Zustand: aufgearbeitet, zur Zeit nicht bahnamtlich zugelassen
 

oben: 12 244 im März 1997
unten: Sitzbankhalterungen für den Militäreinsatz

 

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