Güterzugpackwagen 123 117 Wuppertal, Pwg pr 14

Früher war jedem Güterzug ein Güterzugpackwagen beigestellt, in der Regel direkt hinter der Lok. Er diente jedoch nicht hauptsächlich der Beförderung von Lasten, sondern war vielmehr der Arbeitsplatz für das Güterzugpersonal. So gab es früher auch auf Güterzügen neben Lokführer und Heizer einen Zugführer, einen Packmeister und teilweise diverse Schaffner. Von diesem Personal wurden die Transportdokumente bearbeitet und befördert, außerdem bedurften die Güterwagen zu der Zeit mehr technische Zuwendung und auf den Bahnhöfen musste das Personal den Rangierdienst übernehmen. Bis Mitte der 20er-Jahre kamen dazu noch ca. für jeden 3.Wagen einen Bremser, da die Züge noch keine durchgehende Bremse hatten, sondern auf Pfeifsignale der Lok hin per Hand gebremst wurden.
Diesem Personal diente der Wagen als Arbeitsplatz- oder Aufenthaltsraum, außerdem war der Wagen mit Werkzeug, Ersatzteilen... ausgestattet. Ebenfalls wurde der Wagen zur Beförderung von Bahnarbeitern genutzt.
Das Personal auf Güterzügen wurde immer weiter reduziert, außerdem konnten der zum Schluß noch verbliebene Zugführer bei E-Loks und Dieselloks auf dem Führerstand mitfahren. Um auch bei Zügen mit Dampfloks den Güterzugpackwagen einsparen zu können, wurden bis Anfang der 60er-Jahre über 700 Dampfloks mit einer Kabine auf dem Tender ausgerüstet, um dem Zugführer Platz zu bieten. So reduzierte sich ab den 60er-Jahren die Anzahl der Güterzugpackwagen deutlich, obwohl sowohl die DR als auch die DB in den 50er-Jahren noch große Stückzahlen von Güterzugpackwagen beschafft hatten.
Noch 1997 waren diverse Güterzugpackwagen neuerer Bauart im Bestand der DB AG.

Unser Wagen ist eine preußische Bauart nach dem Musterblatt IIa 13a². Diese Bauart entstand ab 1914 als Weiterentwicklung der Pwg pr 12. Bis 1925 wurden von diesem Typ ca. 5.900 Stück beschafft, also auch noch unter der Regie der Deutschen Reichsbahn. Prinzipiell waren die Wagen wie ein gedeckter Güterwagen der Zeit aufgebaut (siehe G-10). Im Inneren teilte sich der Wagen in 3 Räume: ein Raum für Zugführer und Packmeister, hier waren am Wagenende 2 Klapptüren für den Einstig vorgesehen, außerdem war das Dach über diesem Teil erhöht, damit der Zugführer von seinem ebenfalls erhöhten Sitz den Zug überblicken konnte. Anfangs gab es für diesen sogar eine Leine, mit der er die Lokpfeife bedienen konnte, z.B., um den Bremsern Signale zu geben. Auf der anderen Seite des Abteils befand sich der Platz des Packmeisters mit Schreibgelegenheit. Dieses Abteil war mit einer Preßkohlenheizung ausgestattet. Außerdem befanden sich unter dem Hochsitz des Zugführers 2 von außen zugängliche Schränke. An dieses Abteil schloß sich das Packabteil an, es war mit gewöhnlichen Güterwagenschiebetüren ausgestattet. In diesem Abteil gab u.a. klappbare Tische und Bänke für die restlichen Bediensteten sowie eine Ofenheizung. Außerdem war von hier aus der 3. Raum, die Toilette, zugänglich. Die Wagen waren mit Gasbeleuchtung ausgestattet, außerdem befanden sich außen, ähnlich wie bei den Personenzugpackwagen der Zeit, durchgängige Trittbretter. Einige Wagen waren mit einer Dampfheizleitung ausgestattet

Im Laufe der Zeit wurden diese Wagen stark umgebaut: Schon in den 20er-Jahren wurden, sofern noch nicht vorhanden, Druckluftbremsen eingebaut, ab den 40er-Jahren entfielen die äußeren, durchgängigen Trittbretter, die Preßkohlenheizung des Zugführerabteils sowie die von außen zugänglichen Schränke. Auch auf die Fenster in den Schiebetüren wurde verzichtet. Ab Ende der 40er-Jahre / Anfang der 50er-Jahre wurden am Wagenkasten zusätzliche Diagonalstreben gegen Rangierstöße eingeschweißt, außerdem wurde die Gasbeleuchtung durch eine elektrische ersetzt (von der Lok her mit Strom versorgt).
Bei Wagen der DB wurde sogar die Dachkanzel entfernt, dafür wurde dem Zugführer eine Art Erker eingebaut, sodass er den Zug auch weiterhin beobachten konnte.
Bei der DB wurden die letzten Wagen in den 60er-Jahren ausgemustert, bei der DR erst in den 80er-Jahren.

Über Baujahr und Hersteller unseres Wagens ist leider nichts bekannt.
Ab 1930 lief er unter der Betriebsnummer 123 117, zumindest zeitweise im Gebiet der Eisenbahndirektion Wuppertal. Nach dem Krieg verblieb der Wagen bei der DR. Dort erhielt er ab 1958 die Betriebsnummer 88-10-10 , ab 1968 die Nummer 30 50 940 2004-0 als Pwg 9400. Zuletzt war der Wagen bis Mitte der 80er-Jahre in Saalfeld eingesetzt. Während seiner Einsatzzeit wurde der Wagen stark verändert: Die durchgängigen Tritte entfielen, zum Schluss entfiel das Trittbrett unter der Schiebetür gänzlich. Die Gasbeleuchtung wurde entfernt, zum Schluss erfolgte die Beleuchtung nur noch mittels aufzuhängenden Handlampen. Die Preßkohlenheizung sowie die von außen zugänglichen Schränke wurden ebenso ausgebaut wie die Fenster in den Schiebetüren. Es wurden Diagonalstreben gegen Rangierstöße eingeschweißt, die Einrichtung des Zugführerabteils wurde stark vereinfacht.
1993 kauften wir den Wagen aus Halle / Saale in desolatem Zustand. Von Anfang 2003 bis Mitte 2006 wurde der Wagen mit Unterstützung des Bürgervereins zu Osnabrück von 1880 im Zustand der 40er-Jahre aufgearbeitet.

Technische Daten:

Ladegewicht: 4,0 t
Eigengewicht: 10,8 t
Ladefläche:  8,5 m²
Lüp:  8,5 m
Achsstand: 4,7 m
Bremse: Kkg (Kunze-Knorr Güterzugbremse)
Vmax :  65 km/h
Ofenheizung
Im Verein seit: 1993

Zustand: aufgearbeitet,
zur Zeit nicht bahnamtlich zugelassen

oben: 123 117 im März 1994

 

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