Allespostwagen 5768 Stuttgart, Post-b/13

Bis 1997 wurden Briefe, Pakete etc. von der Post auch mit der Bahn befördert, während der Fahrt wurden die Sendungen von mitfahrenden Beamten bearbeitet, dazu gab es:

  • Allespostwagen
  • Briefpostwagen
  • Paketpostwagen
  • Transportpostwagen (keine Bearbeitung während der Fahrt mgl.)

Früher wurden Postwagen auch auf kurzen Strecken im Nahverkehr benutzt, wofür 2-achsige Postwagen wie der Post-b/13 benutzt wurden.
Da nach dem 2. Weltkrieg ein Mangel an 2-achsigen Bahnpostwagen bestand, wurden ab 1948 100 Stück bzw. ab 1951 20 Stück Allespostwagen der Gattung Post-b/13 beschafft.
Der Wagenkasten ist prinzipiell eine Weiterentwicklung der Einheitsnebenbahnwagen der Gruppe 34, wobei der Wagen analog zu den Schnellzugwagen der 40er-Jahre windschnittig und im Leichtbau ausgeführt wurde. Analog zu diesen Wagen waren die Laderaumtüren innenlaufend angeordnet.
Im Inneren befanden sich vom Wagenende ausgehend ein Einstiegsraum mit 2 Drehtüren sowie Zugang zum Abort, gefolgt von Briefsortierraum mit Sortierfächern sowie ein Packraum mit 2 Ladeschiebetüren je Seite.
Im Packraum befanden sich 4 Bodenklappen, unter denen sich große Staufächer für Zeitungspakete befanden. Übergangsmöglichkeiten zu Nachbarwagen waren aus Sicherheitsgründen nicht vorgesehen. An jeder Wagenseite befand sich ein Briefkasten, in den beim Halt auf Bahnhöfen etc. Briefe eingeworfen werden konnten. Im Dach des Wagens waren 8 durch Schieber verschließbare Fenster eingebaut, die die Beleuchtung verbessern sollten. Die meisten Seitenfenster des Wagens waren 800mm breit und teilweise versenkbar, bei der Bauart 48 waren die Fenster vergittert. Neben Änderungen an der Beleuchtungsanlage und der posttechnischen Einrichtungen wurde bei der Bauart 51 in den Seitenfenstern Sicherheitsglas eingesetzt, sodass die Gitter entfallen konnten. Alle Wagen waren außerdem mit 2-facher Federung sowie Alarmanlage ausgestattet. Die Belüftung erfolgte durch 5 Dachlüfter der Bauart Kuckuck, die Beleuchtung erfolgte elektrisch. Neben Ofen- und Dampfheizung war in einigen Wagen auch eine elektrische Heizung eingebaut. Den 2-4 im Wagen arbeitenden Beamten standen u.a. Gerätschaften wie z.B. ein Wärmeschrank zur Verfügung.

Ab 1959 wurden die Wagen als Post-a/13 bezeichnet, ab 1966 als Post 2a-13. Zu diesem Zeitpunkt erhielten die Wagen auch neue, computergerechte Betriebsnummern.
Bei einigen Wagen der Bauart 48 wurde im Laufe der Zeit Sicherheitsglas in die Fenster montiert, die Vergitterung konnte somit entfallen.
Da in den 60er-Jahren der Postverkehr in Nahverkehrszügen mehr und mehr zurückging, wurden 1967 einige Wagen zu reinen Transportwagen Post 2t-13 umgebaut, was sich aber aus verschiedenen Faktoren nicht durchsetzte, sodass die Wagen zwischen 1969 und 1978 ausgemustert wurden.

Unser Wagen wurde 1950 bei Josef Rathgeber in München als letzter Wagen der Bauart 48 gebaut. Er wurde beim Bahnpostamt Stuttgart unter der Nummer 5768 als Post-b /13 eingesetzt. 1959 wurde die Gattung in Post-a / 13 geändert. Ab Mitte der 60er-Jahre erhielt der Wagen die Betriebsnummer 50 80 00-11 063-7 unter der Gattung Post 2-a/13.
Im Laufe der Zeit wurden an den Packraumschiebetüren zusätzliche Drehtüren zur Eingangsverbreiterung eingebaut..
1973 wurde der Wagen ausgemustert und an die Hohenzollerische Landesbahn im Schwäbischen verkauft. Dort lief er fortan als Güterzugpackwagen mit der Betriebsnummer Pw 70.
Zu diesem Zweck wurden Teile der Einrichtung entfernt, hauptsächlich posttechnische Einrichtungen, wie Sortierfächer, Paketregale etc., aber auch die elektrische Heizanlage und die Dampfheizung.
Später wurde der Wagen von einem Privatmann aus Bocholt erworben und dort hinterstellt, von dort übernahmen wir den Wagen 1999.

Ende 2001 wurden an dem Wagen erste Restaurierungsarbeiten vorgenommen, so wurden u.a. zerbrochene Fenster ersetzt, Blechausbesserungsarbeiten ausgeführt, das Dach abgedichtet sowie Farb- und Beschriftungsarbeiten ausgeführt, sodass sich der Wagen jetzt äußerlich wieder nahezu im Zustand der 50er-Jahre präsentiert.
 

Technische Daten:

Ladegewicht: 8,0 t
Eigengewicht: 19,4 t
Lüp:  14,3 m
Achsstand: 8,5 m
Bremse: Hikp (Hildebrand-Knorr Personenzugbremse) mit Handbremse
Vmax:  100 km/h
Dampfheizung, elektrische Heizung (beide z.Z. nicht eingebaut), sowie Ofenheizung
Baujahr: 1950

Im Verein seit: 1999
Zustand: teilrestauriert, zur Zeit nicht bahnamtlich zugelassen

 

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